Mittwoch, 11. März 2020

Scrum vs. Six Sigma: Welche Projektmanagementmethode ist am besten für Sie?




von Isabelle Trautmann

Wenn Sie sich nicht entscheiden können, ob Sie Agile Scrum oder Lean Six Sigma für Ihr nächstes Projekt verwenden möchten, helfen wir Ihnen gerne weiter. In diesem Artikel werden beide Methoden verglichen, um die Debatte beizulegen. 

Projekt- und Prozessmanagement sind ein wesentlicher Bestandteil des Geschäfts von jedem Unternehmen. Mit dem richtigen Ansatz und optimierten Prozessen können Unternehmen ihre Kosten erheblich senken und die Effizienz und die Zusammenarbeit verbessern wodurch sie ihren Umsatz erheblich steigern können.

Laut PwC sind sich 97 % der Unternehmen über die Bedeutung des Projektmanagements bewusst. Darüber hinaus steigt durch die Implementierung verschiedener Methoden die Projektleistung auf globaler Ebene. Im Jahr 2018 haben fast 70 % der Projekte, die schlanke oder agile Methoden einsetzen, ihre Ziele erfolgreich erreicht.

Angesichts der zunehmenden Komplexität bei der Führung globaler Geschäfte im digitalen Zeitalter ist ein solides Management-Framework für Unternehmen eine Notwendigkeit um wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Die Ermittlung der richtigen Projektmanagementmethode kann jedoch etwas schwieriger sein, als Sie vielleicht erwarten. Sollten Sie für Ihr Unternehmen beispielsweise einen agilen oder lean Ansatz in Betracht ziehen, welches ist dann die richtige Methode?

In unserem Beitrag untersuchen wir den Unterschied zwischen den beiden Ansätzen sowie die Vorteile von Agile Scrum und Lean Six Sigma um Ihnen zu helfen, eine fundierte Entscheidung zu treffen.


Zusammenfassung Scrum vs. Six Sigma 


Die folgende Tabelle zeigt einen Vergleich von Scrum und Six Sigma auf einen Blick: 

















Was ist Agilität?

Agilität ist ein flexibler Ansatz des Projektmanagements, der auf Projekte mit sich ständig ändernden Anforderungen ausgerichtet ist. Eine agile Methode unterteilt Projekte in „Sprints“ – das heißt in kurze Entwicklungszyklen, die normalerweise zwei bis vier Wochen dauern. 

Anstatt wertvolle Zeit und Ressourcen für eine sorgfältige Dokumentation aufzuwenden, wird bei Agilität die Zusammenarbeit und die Interaktion in den Vordergrund gestellt. Auf diese Weise können agile Teams Funktionen einzeln entwickeln und testen und so ihren Kunden regelmäßig einen Mehrwert bieten und gleichzeitig sich ändernden Anforderungen berücksichtigen.

Das agile Manifest führte zunächst das Konzept ein, um die Softwareentwicklung zu rationalisieren. Unternehmen haben seitdem die Agilität an ihre Geschäfts- und Projektanforderungen angepasst.

Infolgedessen verfügen wir über mehrere agile Methoden, die Unternehmen in verschiedenen Branchen anwenden können. Scrum und externe Programmierung (XP) gehören zu den beliebtesten.



Was ist Scrum?


Scrum ist die am weitesten verbreitete agile Methode. Der 13. State of Agile Report zeigt, dass fast 72 % der Softwareteams auf Scrum oder Scrum-Hybrid angewiesen sind. Während Agilität die Grundwerte und Prinzipien liefert, denen die Projektteams folgen sollten, definiert Scrum den Entwicklungsprozess weiter.

Der Scrum-Prozess besteht aus mehreren Ereignissen. Die Projektarbeit erfolgt in Sprints, die auf einen Monat begrenzt sind. Mit anderen Worten, Sprints können ein bis vier Wochen dauern, aber nicht länger.

Vor jedem Sprint kommt das Team zusammen und erstellt einen Sprintplan. Hier diskutieren der Product Owner und Scrum Master welche Funktionen Priorität im Scrum haben. Anschließend wählen sie Elemente aus dem Product-Backlog aus, die der Sprint umfassen soll. Nachdem die erforderliche Arbeit für die Fertigstellung des Sprints festgelegt wurde, wird eine Übersicht erstellt. 

Neben der Sprintplanung umfasst Scrum täglich 15-minütige Besprechungen, in denen das Entwicklungsteam mitteilt, woran sie am Vortag gearbeitet haben und woran sie derzeit arbeiten. Darüber hinaus sprechen sie über Hindernisse, die den Fortschritt verhindern, und der Scrum-Master hilft bei der Lösung dieser Hindernisse.

Nach jedem Sprint folgt eine detailliert Sprintprüfung und eine Sprint-Retrospektive. Das Team geht die abgeschlossene Arbeiten im Sprint durch und präsentiert die Funktionalität. Während der Retrospektive untersucht das Team die Erfolge und Schwachstellen des Sprints. Auf diese Weise lernen Sie, wie Sie den Prozess in der Zukunft verbessern können.


Für wen ist diese Methode geeignet?


Scrum ist ideal für agile Softwareunternehmen, kann aber auch in anderen Branchen eingesetzt werden. Ein agiler Rahmen eignet sich hervorragend für Projekte mit sich ändernden Anforderungen, bei denen sich der Fokus während des Projektlebenszyklus verschiebt.

Es eignet sich auch gut für Organisationen ohne strenge hierarchische Struktur, bei denen der Schwerpunkt auf der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungsteams und einzelnen Teammitgliedern liegt.

Mit Scrum können agile Unternehmen jeden Sprint planen und innerhalb der festgelegten Zeitpläne bleiben, während gleichzeitig Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bewahrt und den Kunden stets einen Mehrwert geboten wird. 

Eine Stärke der Scrum Methode ist die Erkenntnis darüber, dass sich Teams und Projekte weiterentwickeln. Obwohl ein solider Rahmen für die Organisation von Teams und die Planung von Sprints und Arbeiten geboten wird, kann gleichzeitig jedes Projekt mit maximaler Flexibilität angegangen werden.

Das liegt daran, dass der Rahmen an die Bedürfnisse der Organisation angepasst werden kann, anstatt vorzuschreiben, wie die Arbeit ausgeführt werden soll.


Vorteile von Scrum


Durch tägliche Scrum-Meetings, Sprint-Reviews und Rückblicke fördert Scrum die Kommunikation, die Zusammenarbeit und die Prozessverbesserung. Da dieser Ansatz Funktionen in Zeiträumen von zwei bis vier Wochen entwickelt, testet und bereitstellt, verkürzt sich außerdem die Markteinführungszeit.

Bei Scrum werden Funktionen nach Wichtigkeit priorisiert, sodass sich Entwicklungsteams auf die Funktionen konzentrieren können, die den größten Einfluss haben. Gleichzeitig ermöglicht das Scrum-Framework den Teams, den Fokus zu verschieben, unabhängig davon, in welcher Phase sich das Projekt befindet. Außerdem können Änderungen oder neue Anforderungen problemlos angepasst werden. 

Ein weiterer Vorteil von Scrum ist, dass die Product Owner viel stärker in das Projekt involviert sind (als beispielsweise bei einem Waterfall Framework). Die Möglichkeit, Feedback zur Arbeit des Teams zu geben, Änderungen anzufordern oder sogar neue Funktionen zu nutzen, führt zu einer größeren Kundenzufriedenheit.

Wenn Sie daran interessiert sind, zertifizierter Scrum-Master zu werden und die Vorteile dieses Ansatzes zu nutzen, schauen Sie sich unsere umfassenden Scrum-Kurse an.


Was ist Lean?


Der Lean Ansatz für das Projektmanagement hat ein grundlegendes anderes Ziel als Agilität. Lean Methoden zielen im Kern darauf ab, Prozesse zu verbessern und die Qualität der Produkte zu verbessern, Verschwendung zu reduzieren und überflüssige Arbeiten zu vermeiden. Mit anderen Worten, anstatt einen detaillierten Rahmen bereitzustellen, versuchen Lean Ansätze vorhandene Prozesse zu optimieren.

Dazu werden alle Aspekte der Arbeit sorgfältig analysiert und Bereiche identifiziert, die den Fortschritt behindern oder zu viele Ressourcen beanspruchen, ohne ausreichenden Wert zu schaffen. Anschließend wird herausgefunden, wie diese Hindernisse beseitigt werden können und die Produktivität gesteigert werden kann. Lean impliziert von Natur aus einen Fokus auf Dokumentation und Datenanalyse sowie eine stark strukturierte Organisation.

Am besten eignen sich diese Ansätze für größere Fertigungsunternehmen mit klar definierten Rollen, mit dem vorrangigen Ziel, die Qualität der Produkte durch kontinuierliche Verbesserung der Prozesse zu optimieren. 


Was ist Six Sigma?


Six Sigma ist ein schlanker Ansatz für das Projektmanagement, der darauf abzielt, Fehler und Abweichungen während der Produktentwicklung zu minimieren. Der Begriff bezieht sich auf höchste Effizienz der Prozesse, bei der nur drei bis vier Fehler in einer Million hergestellten Produkten vorliegen.

Wie bereits erwähnt, ist die Definition und genaue Messung der Prozesse das Rückgrat eines Lean Ansatzes wie Six Sigma. Daher ist es am besten für Unternehmen geeignet, die an mehreren Großprojekten arbeiten. Dies gilt insbesondere für Projekte, bei denen die Anforderungen, Rollen und Verantwortlichkeiten festgelegt sind und alle relevanten Daten ordnungsgemäß dokumentiert wurden.

Six Sigma stützt sich auf eine Reihe statistischer und analytischer Tools. Jegliche Anpassungen des Herstellungsprozesses sind das Ergebnis fundierter und nicht spontaner Entscheidungen.

Um die besten Ergebnisse zu erzielen, muss Six Sigma unternehmensweit angewendet werden. Dies bedeutet einerseits, dass erhebliche Ressourcen erforderlich sind. Andererseits verbessert es die Zusammenarbeit, steigert die Leistung und erhöht die Qualität der Produkte. Langfristig werden diese Verbesserungen die anfänglichen Investition rechtfertigen und zu einer Umsatzsteigerung führen.


Die Organisationsstruktur von Six Sigma


Six Sigma verfügt über vordefinierte Rollen, die auf Ihren Verantwortlichkeiten und dem Grad der Kompetenz in der Methodik basieren.

Bei Six Sigma gibt es sechs „Belts“ (Gürtel – Positionen innerhalb der Organisation). An der Spitze der Hierarchie steht der Champion. Dieser ist für die Implementierung von Six Sigma verantwortlich und stellt sicher, dass die Projekte mit den Zielen der Organisation übereinstimmen.
  • Master Belt – hierbei handelt es sich um die höchste intere Stelle, deren Hauptaufgabe darin besteht, andere Belt-Inhaber zu trainieren. Dieser Position ist dafür verantwortlich, dass die Prozesse, die die Teams anwenden, den Six Sigma-Standards entsprechen.
  • Black Belt – dieser Position organisiert Projektaufgaben, überwacht die Arbeit und leitet Projektteams.
  • Green Belt – Green Belts sind normalerweise für die Datenanalyse zuständig und können kleinere Projekte leiten.
  • Yellow Belt – bei dieser Position arbeiten die Personen an Projekten und führen eine breite Palette von täglichen Projektaktivitäten aus.
  • White Belt – dieser Belt ist ideal für alle, die noch etwas über Six Sigma lernen müssen, um anschließend den Yellow oder Green Belt zu erlangen.


Vorteile von Six Sigma


Wie bereits erwähnt, sind die Hauptvorteile von Lean Six Sigma die Vermeidung von Verschwendung (einschließlich Ressourcen, Zeit und Aufwand) und einer höheren Produktqualität. Die Einführung von Six Sigma in Ihrem Unternehmen führt zwangsläufig auch zu einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen den Projektteams und dem höherem Management.

Darüber hinaus verfügen Sie über eine Vielzahl von Daten, auf die Sie sich verlassen können, sodass Sie genau einschätzen können, welche Änderungen am Prozess die besten Ergebnisse erzielen. Beachten Sie jedoch, dass sich Six Sigma auf iterative und inkrementelle Verbesserungen konzentriert. Obwohl es möglicherweise zum Entwurf neuer Prozesse kommt, werden radikale Änderungen an vorhandenen Situationen nicht unterstützt.

Da der Schwerpunkt auf Produktqualität und Kostenreduzierung liegt, führt die erfolgreiche Implementierung von Six Sigma letztendlich zu einer höheren Kundenzufriedenheit und einer allgemeinen Umsatzsteigerung. Wenn dies mit den Zielen Ihres Unternehmens übereinstimmt und den Anforderungen Ihres Projektes entspricht, sollten Sie unsere Lean Six Sigma Kurse besuchen.


Scrum vs. Six Sigma – welche Methode passt besser zu mir?


Ein Vergleich von Scrum und Six Sigma, um zu definieren, welche der beiden Methoden besser ist, erfordert eine gründliche Reflexion des Kontextes. Obwohl beide darauf abzielen, Prozesse zu verbessern, fokussieren sich Methoden auf grundlegend unterschiedliche Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln:
  • Scrum konzentriert sich darauf, die Projekte durch kurze „Sprints“ überschaubarer zu machen und durch Priorisierung konsequent Wert zu liefern. Außerdem wird Flexibilität und Anpassungsfähigkeit geboten, was für die Bearbeitung von Projekten mit häufig wechselnden Anforderungen erforderlich ist. Dies bezieht auch den Product Owner und die Stakeholder in den Entscheidungsprozess mit ein und ermutigt Entwicklungsteams Veränderungen anzunehmen.
  • Six Sigma hingegen konzentriert sich auf kleinere, inkrementelle Änderungen an einem bereits etablierten Prozess. Es stützt sich stark auf Datenanalysen und basiert auf einem statistischen Ansatz, um die Probleme methodisch zu eliminieren und um Hindernisse zu identifizieren, die den Fortschritt behindern. Mit Six Sigma führen Kostensenkung, Effizienz und Produktivität zum ultimativen Ziel, die Produktionsprozesse zu perfektionieren und den Umsatz zu steigern. 


Man kann nicht sagen, dass einer der beiden Ansätze in jeder Situation besser ist. Sowohl Scrum als auch Six Sigma bieten einzigartige Vorteile, Anforderungen und Überlegungen. Letztendlich sollten Sie aufgrund der Ziele Ihres Unternehmens und der Art des Projekts bestimmen, für welchem Ansatz Sie sich entscheiden.

Natürlich gibt es viele andere Ansätze, die Sie für Ihr nächstes Projekt in Betracht ziehen sollten. Wenn Sie jedoch mehr über Scrum, Six Sigma oder ähnliche Methoden erfahren möchten, können Sie unser umfangreiches Portfolio an Projektmanagementkursen durchsuchen.